Geschichte

Eifer und Vernichtung


Im Laufe des 15. Und 16. Jahrhunderts brachten die Kriege zwischen Frankreich und Burgund, danach zwischen Frankreich und Spanien in der ganzen Region von Luxemburg Tod und Zerstörung, und Orval wurde nicht verschont. In dieser schwierigen Zeit bewies Kaiser Karl V. sein Wohlwollen, indem er den Aufbau einer Schmiede auf dem Gelände der Abtei genehmigte. In diesem Rahmen ist auch der Wiederaufbau des Kirchenschiffs zu Anfang des 16. Jahrhunderts zu sehen, das in Gefahr war, zur Ruine zu verkommen. Die Einweihung der Kirche fand im Jahre 1533 statt, und wir wissen, dass die Gemeinschaft in jenem Jahr 24 Mönche zählte.


Während das 17. Jahrhundert ein Jahrhundert des Unglücks für die Niederlande war, sollte die Abtei von Orval damals jedoch den Gipfel ihrer Entwicklung erklimmen. Zwei Äbte erwarben sich im ganzen Orden Ruhm. Dem erstem, Bernard de Montgaillard, einem Südfranzosen, gelang es trotz der Widerstände der Gemeinschaft sich von den Erzherzögen Albert und Isabelle zum Abt von Orval ernennen zu lassen (1605). Von diesem Augenblick an widmete er sich vollständig seinen Mönchen, die ihm schließlich sehr verbunden waren. Er stellte das Kloster wirtschaftlich wieder auf die Füße und restaurierte die Gebäude. Aber vor allem war er ein Vorläufer, indem er seiner Gemeinschaft Reformkonstitutionen gab, die zu einer Zunahme des religiösen Eifers führten. Novizen kamen in großer Zahl. Im Jahre 1619 zählte die Gemeinschaft 43 Mitglieder: 27 Mönche mit Profess, 8 Laienbrüder und 8 Novizen.

Kurz nach Bernard de Montgaillard braute sich neues Unheil über der Abtei zusammen: Im August 1637, auf der Höhe des dreißigjährigen Krieges, plünderten die Truppen von Marschall de Châtillon das Kloster und seine Nebengebäude und brannten alles vollständig nieder. Der Wiederaufbau erfolgte bis zum Ende des Jahrhunderts in einem Klima der Unsicherheit.

Von 1668 bis 1707 hatte Orval einen weiteren großen Abt an seiner Spitze, Charles de Bentzerad aus Echternach (Luxemburg). Dieser strenge Mensch war vor allem ein Reformator: Er ließ sich von dem inspirieren, was Abt Rancé in der Abtei von La Trappe in der Normandie gemacht hatte, er etablierte die „Strikte Observanz“ in seinem eigenen Kloster. Er erhielt empfing zahlreiche Novizen, was es ihm erlaubte, im Jahre 1701 die Abtei von Düsselthal in der Nähe von Düsseldorf zu gründen, und als Priorat das Haus von Conques am Semois-Fluss zu errichten. Nach seinem Tod bevölkerten und reformierten die Mönche von Orval die Abtei von Beaupré in Lothringen. Im Jahre 1723 zählte die Gemeinschaft 123 Mitglieder, sie war „die zahlreichste des Kaiserreichs“.

Unglücklicherweise hatte der Jansenismus die Gemeinschaft infiltriert. Die Krise brach im Jahre 1725 aus. An die fünfzehn Mönche zogen es vor, das Kloster zu verlassen; sie gründeten in der Nähe von Utrecht das religiöse Haus Rhijnwijk.
Die materielle Prosperität ging mit dem religiösen Eifer Hand in Hand: Die landwirtschaftliche und industrielle Domäne der Mönche nahm immer weiter zu; vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Schmieden und Eisenhütten von Orval an der Spitze der westlichen Stahlindustrie.

Ab 1760 wurden die Ressourcen hauptsächlich dem Bau eines neuen Klosters gewidmet, dessen Pläne von dem berühmten Laurent Benoît Dewez gezeichnet wurden. Die neue Kirche wurde im Jahre 1782 geweiht, danach wurden die Arbeiten aufgrund fehlender Einkünfte langsamer und kamen zum Stillstand.

Im Jahre 1789 brach in Frankreich die große französische Revolution aus. Alle Besitztümer von Orval jenseits der Grenze wurden konfisziert. Die Abtei erlebte verschiedene mehr oder weniger ernste Alarmsituationen, bis zu dem entscheidenden Tag des 23. Juni 1793, als revolutionäre Truppen unter der Führung des Generals Loison das Kloster plünderten und niederbrannten. Alles wurde  vernichtet. Die Gemeinschaft zog sich zuerst in ihr Refugium in Luxemburg und danach in das Priorat von Conques zurück. Die Gemeinschaft wurde am 7. November 1796 offiziell aufgehoben und ihre Mitglieder zerstreut. Über ein Jahrhundert blieben die verkohlten Mauern von Orval der Witterung und Stein- und Schatzsuchern ausgeliefert.

∧ top